Im Wohngebiet Falkenhorst, einem Ortsteil der Stadt Falkensee, sind im September die Gerüste vor einer weithin sichtbaren Giebelwand gefallen. Zum Vorschein kam ein neuer und viel bewunderter Blickfang in dem am dichtesten besiedelten Falkenseer Wohngebiet: Eine phantasievolle gemalte Erinnerung an das alte Dorf Seegefeld, das sich einst in unmittelbarer Nachbarschaft befand. Mit der Ausführung hatte die Wohnungsgenossenschaft Falkenhorst, zu deren Wohnungsbestand das Haus an der Coburger Straße gehört, die Fassadenmaler der deutsch-französischen Firma Dekorative City GmbH Berlin beauftragt.
"Unser Wohngebiet soll noch schöner werden" - mit diesen einfachen Worten beschreibt Ralf Zimmermann, geschäftsführender Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Falkenhorst, das Anliegen des künstlerischen Auftrags. "Zugleich soll das Wandbild den genossenschaftlichen Gedanken widerspiegeln." Ausgewählt wurde deshalb für den Vordergrund des Wandbildes das bekannte Fontane-Motiv vom alten Herrn von Ribbeck, der einer "Deern" eine Birne schenkt. "Für uns symbolisiert dieses Motiv die Idee vom sicheren und sozialen Wohnen, die wir an die nächste Generation weiterreichen", so Zimmermann. Der Einfall, die von Ribbeck in das Bild zu verpflanzen, ist jedenfalls nicht weit hergeholt – immerhin war ein Zweig dieser havelländischen Adelsfamilie jahrhundertelang Besitzer des Rittergutes Seegefeld und aus dem Gutsdorf Seegefeld ist nach dem Zusammenschluss mit dem Nachbardorf Falkenhagen die heutige Stadt Falkensee hervorgegangen.Ein ausdrücklicher Wunsch der Mieter des Hauses war es, den alten Seegefelder Dorfkern mit ins Bild zu nehmen. So bestimmt die Silhouette der Seegefelder Kirche den Hintergrund des Bildes und auch das Gutshaus, das Ende der 1950er Jahre abgerissen wurde, feiert auf der Fassade eine künstlerische Wiederauferstehung. Die Mieterversammlung rückte auch noch einen Teich ins Bild, denn "Falkensee", so die Begründung, "war für seine Tümpel bekannt".Fassadenmaler mögen bekanntlich die Augentäuschung. Deshalb gibt es auch auf der Giebelwand an der Coburger Straße einige täuschend echte Fenster mit freundlich dreinschauenden, aber fiktiven Nachbarn und vor dem Durchblick in das alte Dorf Seegefeld läuft ein Junge mit einem Drachen scheinbar vor dem Bild entlang. "Das ist ein Giebel, auf den man schaut", freut sich Ralf Zimmermann.Künstlerisch federführend für das Wandbild war die Künstlergruppe CitéCréation, die erstmals in den 1970er Jahren im französischen Lyon mit monumentalen Wandbildern Aufsehen erregte. Inzwischen umfasst die Gruppe rund 80 Künstler, die bereits mehr als 600 Gebäudefassaden mit großflächigen Malereien ausstatteten. Diese Bilder sind nach dem Selbstverständnis der Künstler "von starker kultureller Identität, sie folgen ihrer Berufung zu verschönern und zu verzaubern, Gebäude in ein anderes Licht zu setzen, um der breiten Öffentlichkeit Träume zu geben, Vergnügen zu bereiten und Stolz zu verleihen."Die Wohnungsgenossenschaft Falkenhorst, die in Falkensee viel Beifall für das dekorative Giebelbild erhielt, hat in jüngster Zeit mehrfach bewiesen, dass sie im Kontext des genossenschaftlichen Lebens neue Wege gehen will. Erst vor wenigen Monaten wurde auf ihre Initiative und in Kooperation mit der Stadt Falkensee, der stadteigenen Wohnungsgesellschaft Gegefa und dem Arbeiter-Samariterbund das Projekt eines Wohngebietstreffs realisiert, der vor allem auf die Bedürfnisse von Senioren in ihrem Wohnumfeld ausgerichtet ist. Für das im Mai eröffnete Familiencafé Falkenhorst wurde mit einem Investitionsaufwand von 220.000 Euro ein 180 Quadratmeter großer Neubau errichtet.
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