BRUNNENVERGIFTUNG ODER WIE MAN PERSÖNLICHE BEWERBCHEN ZUR NATIONALEN KATASTROPHE AUFBLÄST

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Eine BBU-Replik auf den Guratzsch-Artikel "Alte SED-Kader ruinieren ostdeutsche Innenstadtquartiere" aus der Welt vom 18. Januar 2008. Zurzeit haben ja Wissensquizsendungen neben den Kochsendungen Konjunktur. In diesen Sendungen geht es ja dann in etwa wie folgt zu:"Verheerend wie ein Bombenteppich – alte SED-Kader ruinieren ostdeutsche Innenstadtquartiere". Woher stammt dieses Zitat? Aus der Bildzeitung vom Januar 1987 Aus der Zeitung "Die Welt" vom Januar 2008 oder Aus der Sendung "Der schwarze Kanal" des DDR-Fernsehens vom Januar 1986Geben Sie Ihr Votum ab...Der kundige Fachmann dürfte es unschwer herausgefunden haben, Antwort "b" ist richtig. Und da fällt einem ja auch sofort ein recht bekannter Werbeslogan der letzten Jahre ein: "Gibt’s nicht? – Gibt’s doch!"Es gibt kein Klischee, das nicht bemüht wird, in diesem besagten Artikel: Wohnungsgesellschaften als Refugium für das Überwintern von Kadern, die schon an Honeckers gescheitertem Großprojekt gearbeitet hätten, Fortsetzung des DDR-Städtebaus mit kapitalistischem Geld, Plattenbauten als Käfighaltung und Wohnmaschinen, Ruinierung intakter Innenstadtquartiere usw. Es fehlt eigentlich nur noch der Satz, dass die Stasi dahinter stecke und alles organisiere.Nun könnte man ja allein für Brandenburg auf die Ergebnisse der Innenstadtsanierung durch die Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischen Stadtkernen" verweisen, auf die Umsetzung der integrierten Stadtentwicklungskonzepte in den 32 Brandenburger Stadtumbaustädten. Man könnte auf unsere Wettbewerbssieger, sowohl beim BBU-Wettbewerb aber auch in anderen bundesweiten Wettbewerben verweisen. Man könnte auch darauf verweisen, dass nach einer Berichterstattung der Bundesregierung der Schwerpunkt der Rückbaumaßnahmen in über 90 Prozent der Stadtumbaukommunen in den Plattenbausiedlungen in Ostdeutschland liegt und der Sanierungsstand in den innerstädtischen Altbaubeständen mittlerweile 70 Prozent erreicht hat.Viel interessanter ist jedoch ein Blick hinter die Kulissen. Gönnt man sich diesen Blick, wird deutlich, dass der Verfasser des Beitrags ein offensichtlich individuell Betroffener mit einem einzelnen Grundstück in einer historischen Innenstadt und Mitglied einer Interessengemeinschaft ist, die seit geraumer Zeit versucht, aus ihrer bisherigen Nichtbeteiligung am Stadtumbau den Eindruck zu erwecken, dass die gesamte Strategie von Bund, Ländern und Kommunen die falsche sei, weil die individuellen Interessen Einzelner nicht genügend im Vordergrund stehen.Für seine eigenen Interessen zu streiten, ist ein legitimer Anspruch. Jedoch den schwierigen Gestaltungsprozess hinein in die Zukunft auf einen einfachen Konflikt zwischen historischer Innenstadt und Plattenbauten am Stadtrand zu konzentrieren, ist wissentlich falsch. Wissentlich falsch schon deshalb, weil es verschiedene Stadttypen gibt, wo das Herangehen außerordentlich unterschiedlich sein muss. Wissentlich falsch auch deshalb, weil es zur Seriosität und Ehrlichkeit gehört, auch darauf hinzuweisen, dass es nach der Wende, unterstützt durch steuerliche Erleichterungen, erhebliche Fehlallokationen im Wohnungsneubau gegeben hat, die etliche Städte beim Thema "Stadtumbau" ebenso beschäftigt. Wissentlich falsch, weil in etlichen kommunalen Wohnungsunternehmen und auch Wohnungsgenossenschaften die Unternehmensleiter nicht aus der oben genannten Gruppe stammen. Auch hier ließe sich die Aufzählung beliebig fortsetzen. Wissentlich falsch, weil zum Beispiel in Neuruppin oder Wittenberge das Engagement der Stadtumbauunternehmen in der Innenstadt zu besichtigen ist.Setzen wir unsere erfolgreiche Arbeit fort, denn, wie heißt es doch so schön "Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht weiter".