Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) mitteilt, hat sich das Wachstum aller Voraussicht nach im ersten Quartal dieses Jahres durch die dynamische Entwicklung in der Industrie und im Bauhauptgewerbe beschleunigt. Hiervon gingen auch die wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute in ihrer gerade vorgelegten Frühjahrsdiagnose aus.
Der Arbeitsmarkt profitiere durch eine anhaltende Expansion der Beschäftigung und eine deutlich rückläufige Arbeitslosigkeit. Für die kommenden Monate zeichne sich gleichwohl eine moderatere Entwicklung ab. So dürften nach dem milden Winter die üblichen Wachstumsimpulse aus der Frühjahrsbelebung entsprechend schwächer ausfallen. Zudem deute die seit einigen Monaten schwächere Bestelltätigkeit in der Industrie auf eine langsamere Gangart der Konjunktur hin. Die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven blieben, nach den binnenwirtschaftlichen Indikatoren zu urteilen, per saldo aber weiterhin recht positiv. Mit der sich immer deutlicher abzeichnenden Schwächephase in den USA würden die weltwirtschaftlichen Belastungen und Risiken zunehmend hervortreten. So habe der Internationale Währungsfonds seine jüngste Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft deutlich nach unten revidiert. Mit den andauernden Problemen der US-Hypothekenkrise, der deutlichen Verschiebung der Währungsrelationen und dem weiteren Anstieg der Rohöl- und Nahrungsmittelpreise hätten sich die konjunkturellen und preislichen Risiken erhöht.Der Preisauftrieb bleibe weiter kräftig, so das BMWi. Der Anstieg der Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahr habe sich im März sogar nochmals auf 3,1 Prozent nach +2,8 Prozent im Februar erhöht. Hierbei wirke sich allerdings die Lage der Osterfeiertage aus. Die Entwicklung der Verbraucherpreise werde vor allem durch die spürbaren Preiserhöhungen für Haushaltsenergie und Kraftstoffe sowie von Nahrungsmitteln beeinflusst. Ein zentraler Risikofaktor für die Preisentwicklung bleibe die Lage auf den Rohstoffmärkten sowie insbesondere die Entwicklung des Rohölpreises. Dieser habe zuletzt durchweg über 100 US-Dollar je Barrel (Sorte Brent) notiert und Mitte April mit 112 US-Dollar ein neues Rekordniveau erreicht. Er dürfte derzeit spekulativ überzeichnet sein.Das Produzierende Gewerbe habe, auch begünstigt durch die milde Witterung in den ersten beiden Monaten, wieder an Dynamik zugelegt. Die Industrieproduktion sei drei Monate in Folge gestiegen, zuletzt im Februar preis- und saisonbereinigt um 0,3 Prozent. Sie habe sich damit im Zwei- und Dreimonatsvergleich deutlich um 1,9 Prozent bzw. 2,4 Prozent erhöht. Besonders kräftige Zuwächse habe die Bauproduktion verzeichnet. Nach +11,4 Prozent im Januar sei sie im Februar noch einmal um 3,7 Prozent angestiegen. Die Perspektiven für das Produzierende Gewerbe blieben recht günstig. Die Stimmung in den Unternehmen sei zuversichtlich und habe sich in den ersten Monaten des laufenden Jahres sogar wieder verbessert, wobei Lage- und Erwartungskomponente beim ifo-Konjunkturtest nach wie vor stark auseinanderfielen. Die Auftragseingänge hätten sich dagegen nach einem ungewöhnlich starken Anstieg im Herbst drei Monate in Folge abgeschwächt. Im Dreimonatsvergleich blieben sie aber positiv (+0,9 %). Stützend wirke hier die anhaltend robuste Bestelltätigkeit aus dem Inland bei leichtem Rückgang der Auslandsbestellungen. Insgesamt spreche dies für eine weiter aufwärts gerichtete, wenngleich etwas moderatere Entwicklung der Industrieproduktion. Die Bestellungen im Bauhauptgewerbe entwickelten sich aufgrund von Großaufträgen derzeit äußerst volatil. Eine Stimmungsaufhellung sei im Bauhauptgewerbe bislang allerdings nicht zu verzeichnen. Wenngleich die Frühjahrsbelebung im Bau angesichts des milden Winters im laufenden Jahr weitgehend ausbleiben dürfte, sollten der anhaltende Aufschwung der Anlageinvestitionen und die verbesserte Lage der öffentlichen Haushalte weiter für Impulse sorgen, so das BMWi.Der private Konsum habe sich bislang noch nicht belebt. Zuletzt habe der beschleunigte Preisauftrieb insbesondere bei Energie und Nahrungsmitteln für Kaufkraftentzug gesorgt. So sei das Umsatzvolumen im Einzelhandel nach der Erholung im Januar (+0,9 %) im Februar nach vorläufigen Angaben erneut deutlich um 1,6 Prozent zurückgegangen. Leicht positive Impulse kämen dagegen derzeit vom Handel mit Kraftfahrzeugen, die durch einen Anstieg der Neuzulassungen für Personenkraftwagen im ersten Quartal dieses Jahres begleitet würden. Auch die tendenzielle Zunahme der Inlandsbestellungen der Konsumgüterproduzenten spreche für eine Belebung der Einzelhandelsumsätze. In die gleiche Richtung weise auch das ifo-Geschäftsklima für den Einzelhandel, das sich nach sprunghafter Aufhellung im Februar zuletzt im März nur leicht eintrübte. Das Konsumklima deute dagegen eine noch eher abwartende Haltung der Verbraucher an. Angesichts der anhaltend guten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt und verbesserter Einkommensperspektiven dürfte sich der private Konsum mit der zu erwartenden allmählichen Beruhigung des Preisauftriebs beleben.