Die ostdeutschen Bundesländer (ohne Berlin) waren laut ersten Berechnungen der amtlichen Statistik 2004 beim Wachstum des Bruttoinlandsprodukts mit dem früheren Bundesgebiet fast gleichauf. Dies teilt das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) aktuell in einer Presseerklärung mit. Ausschlaggebend sei hierfür der kräftige Anstieg der Wertschöpfung im Verarbeitenden Gewerbe von 9,6 Prozent gewesen.
Danach lag die Zuwachsrate in allen neuen Bundesländern über dem gesamtdeutschen Durchschnitt von 5,1 Prozent, in Sachsen wurde mit 13 Prozent deutschlandweit der Spitzenwert erzielt. Zudem weise der zuständige Arbeitskreis der Statistischen Landesämter für 2002 einen signifikant stärkeren Zuwachs der gesamtwirtschaftlichen Produktion in den neuen als in den alten Bundesländern aus, so das IWH. Die von Sondereffekten zur Beseitigung der Flutschäden geprägte Entwicklung im Jahr 2003 habe auch nach dem neuen Rechenstand für ein kräftigeres Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in den neuen Bundesländern gesorgt, sodass auf das Schrumpfungsjahr 2001 zwei Aufholjahre beim Wachstum folgten.Überrascht habe im vergangenen Jahr der vom IWH errechnete unterjährige Verlauf des Produktionswachstums in Ostdeutschland. Während nach dem Exportboom in der ersten Jahreshälfte die Wirtschaft im Westen stagnierte, habe die ostdeutsche zugelegt. Neben der Industrie habe dazu seit dem Herbst auch das Baugewerbe beigetragen. Dagegen sei die Wertschöpfung in Handel, Gastgewerbe und bei personenbezogenen Dienstleistern infolge der Konsumflaute weiterhin leicht rückläufig, in den Bereichen Verkehr, Nachrichtenübermittlung und bei unternehmensbezogenen Dienstleistern sei sie geringfügig gestiegen.Nach ersten Schätzungen für das laufende Quartal hat nach IWH-Angaben die gesamtdeutsche Wachstumsdelle nun die ostdeutsche Wirtschaft erreicht. Ende 2004 hätten sich die Geschäftsaussichten in Industrie und Baugewerbe eingetrübt, und die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe, die der Produktion in der Regel einige Monate vorauseilen, seien rückläufig gewesen. Im Bauhauptgewerbe stagnierten sie. Die Zusammensetzung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe spräche jedoch gegen ein längeres Anhalten der Schwäche. Im Vorleistungsgüterbereich, der in der konjunkturellen Hierarchie der Branchen als Frühindikator gilt, zog die Nachfrage kräftig an.