Am 30. März haben die Präsidentin des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg, Prof. Dr. Ulrike Rockmann und der Beauftragte für Integration und Migration, Günter Piening neue Daten zur Bevölkerungsentwicklung in Berlin und zum Migrationshintergrund vorgestellt. Danach leben in der Hauptstadt derzeit rund 872.000 Personen mit Migrationshintergrund. Mit einem Migrantenanteil von 25,7 Prozent liegt Berlin damit im unteren Drittel der deutschen Großstädte. So haben Städte wie Frankfurt am Main (über 40%), Stuttgart (rd. 38%) oder Köln (rd. 33%) einen teilweise deutlich höheren Migrantenanteil.
Seit zwei Jahren legt das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg Daten vor, die den Migrationshintergrund der Bevölkerung in Bezirken und Stadtteilen erfassen. Dahinter steht ein in der Bundesrepublik einmaliges Verfahren zur Auswertung des Melderegisters, das gemeinsam mit dem Integrationsbeauftragten entwickelt wurde. Piening: "Bei den Debatten um Einwanderung herrschen häufig Mutmaßungen und Schätzungen vor. Genaue Zahlen sind eine wichtige Voraussetzung zu Versachlichung der Diskussion und zur passgenauen Umsetzung der Integrationspolitik vor Ort"Unter Personen mit Migrationshintergrund versteht die Statistik Menschen, die entweder selbst eingewandert sind oder die Elternteile haben, die ihrerseits einwanderten oder keinen deutschen Pass haben. Unter den rund 872.000 Berliner, auf die dies aktuell zutrifft, haben rund 170.000 einen türkischen, rund 90.000 einen polnischen und rund 60.000 einen arabischen Migrationshintergrund.Fast die Hälfte der Bevölkerung mit Migrationshintergrund (47,5%) sind deutsche Staatsangehörige, wobei die Anteile zwischen den Gruppen erheblich variieren. Vor allem bei Menschen aus Ländern, die unter Hinnahme der Mehrstaatigkeit eingebürgert werden, sind die Anteile von Deutschen sehr hoch - so etwa 72 Prozent der Menschen aus dem Libanon und 63 Prozent der Menschen aus dem Iran. Von insgesamt 168.748 türkischstämmigen Berliner/innen haben rund 63.000 (40%) einen deutschen Pass. 35 Prozent der Menschen mit vietnamesischem Hintergrund sind Deutsche. Die Hälfte der aus arabischen Ländern stammenden Berlinerinnen und Berliner hat einen deutschen Pass.Höchster Migrantenanteil in Mitte, Neukölln und Friedrichshain-KreuzbergMit einem Migrantenanteil von 44,8 Prozent ist der Bezirk Mitte am stärksten von Menschen ausländischer Herkunft geprägt, gefolgt von Neukölln mit rund 40 und Friedrichshain-Kreuzberg mit 38 Prozent. In vielen Kiezen ("Planungsraum") in diesen Bezirken hat sich das Verhältnis von Minderheit zu Mehrheit längst umgedreht. Die meisten Menschen mit Migrationshintergrund wohnen im Planungsraum Askanischer Platz mit 68,9 Prozent, gefolgt vom Mehringplatz mit 66,6 Prozent. Mehr als die Hälfte der Einwohner mit Migrationshintergrund in diesen Kiezen sind türkischer Herkunft. 30 Prozent der Einwohner in Kreuzberg und Nord-Neukölln stammen direkt oder über ihre Eltern aus einem islamischen Land.Fast die Hälfte der Berliner Kinder hat einen MigrationshintergrundVor welchen Herausforderungen insbesondere das Bildungssystem steht, zeigt die Betrachtung nach Altersgruppen: 43 Prozent der 0-15 jährigen Berlinerinnen und Berliner haben einen Migrationshintergrund. In Kreuzberg, Wedding und Nord-Neukölln liegt dieser Anteil fast durchgehend bei 70 Prozent und höher. Von diesen haben 80 Prozent die deutsche Staatsbürgerschaft.Die Vorstellung, die östlichen Bezirken seien nicht von Einwanderung geprägt, wird von den Zahlen widerlegt. Im Bezirk Lichtenberg haben etwa 13 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. In Marzahn-Hellersdorf sind es rund zehn Prozent. Allerdings verteilen sich diese Bewohner höchst ungleich über die Bezirke. Während im Kiez Malchow in Lichtenberg nur 158 Menschen mit Migrationshintergrund leben, sind es in Fennpfuhl über 5.700.Prägend sind in Lichtenberg vor allem Einwanderer aus Vietnam und aus den Staaten der früheren Sowjetunion. Vietnamesischstämmige Einwanderer machen in einigen Kiezen über drei Prozent der Bevölkerung aus; im Kiez Bitterfelder Straße in Marzahn-Hellersdorf sind es sogar 19,3 Prozent. Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund "ehemalige Sowjetunion", der auch Aussiedler und Russischsprachige umfasst, liegt in Marzahn-Hellersdorf mit 14.700 Personen bei sechs Prozent der Einwohner oder 54,6 Prozent der Einwanderer. Auch Charlottenburg-Wilmersdorf knüpft wieder etwas an die alte "Charlottengrad"-Tradition an: 12.400 der Einwohner stammen hier aus der früheren Sowjetunion; das sind vier Prozent."Diese Zahlen", so der Integrationsbeauftragte Piening, "sind eindeutiger Beleg, dass es beim Thema Integration keineswegs um Minderheitenpolitik geht. Integrationspolitik berührt die gesamte Gesellschaft und die interkulturelle Öffnung von Politik, Wirtschaft, Kultur und Verwaltung wird zum zentralen Thema der politischen Agenda."Die Daten des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg mit detailgenauen Angaben zur Verteilung und Struktur der Bewohner Berlins mit Migrationshintergrund können auf den Internetseiten des Amtes kostenfrei als PDF-Dokument heruntergeladen werden. Grafik: Anteil der melderechtlich registrierten Einwohner mit Migrationshintergrund nach Bezirken (Quelle: LA für Statistik) Bevölkerungspyramide: Melderechtlich registrierte Einwohner mit und ohne Migrationshintergrund (Quelle: LA für Statistik)
Downloads
18E48E6_Grafik1_Verteilung_Bezirke
PDF
162
18E48EA_Grafik2_BevoelkPyramide
PDF
162
Ansprechpersonen