Potsdam – Bei der Bevölkerungsentwicklung im Land Brandenburg gibt es im Verlauf des letzten Jahrzehnts ausgeprägte regionale Unterschiede. "Während der engere Verflechtungsraum um Berlin teilweise deutliche Zuwächse aufweist, kam es in den Berlin fernen Regionen oft zu drastischen Abnahmen", so Ludwig Burkardt, Vorstandsmitglied beim Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. (BBU) bei der Vorstellung der Zahlen.
Die Ergebnisse basieren auf Auswertungen aktueller Zahlen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg zurück. Demnach ist zwischen dem 31.12.1997 und dem 30.9.2008 in 290 von 420 brandenburgischen Städten und Gemeinden die Einwohnerzahl gesunken. In 130 gab es stabile bis wachsende Bevölkerungen. Burkardt: "In fast 70 Prozent der brandenburgischen Gemeinden sind die Bevölkerungszahlen rückläufig, teilweise um bis zu rund 50 Prozent. Das ist ein sehr ernstes Zeichen, zumal der demografische Wandel diese Entwicklung in Zukunft weiter verstärken wird." Bevölkerungsabnahme in Städten: Eisenhüttenstadt an der SpitzeUnter den brandenburgischen Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern war der Bevölkerungsrückgang in Eisenhüttenstadt mit fast 30 Prozent seit 1998 am stärksten ausgeprägt. Burkardt: "Dass eine Stadt in nur zehn Jahren rund ein Drittel ihrer Bevölkerung verliert, hatten wir in Deutschland zuletzt im 30jährigen Krieg." Auf Platz zwei in dieser Kategorie folgt Guben. Hier nahm die Bevölkerung um rund 28 Prozent (7.600 Menschen). Schwedt/Oder folgt mit über 24 Prozent auf dem dritten Platz (11.400 Menschen)Wachstum in Potsdam, starke Abnahme in Frankfurt/Oder Unter den großen kreisfreien Städten des Landes konnte allein Potsdam einen Bevölkerungszuwachs verzeichnen. Die Bevölkerung nahm hier um 8,1 Prozent bzw. rund 11.500 Menschen zu. Bei den anderen Städten in dieser Kategorie führt Frankfurt/Oder mit einer Bevölkerungsabnahme von 21 Prozent (-16.500), gefolgt von Cottbus (-17 % bzw. -21.000) und Brandenburg/Havel (-13 % bzw. 11.000). Engerer Verflechtungsraum: Wachstum um bis zu 95 ProzentSpitzenreiter bei der Bevölkerungszunahme war die Gemeinde Glienicke/Nordbahn mit einem Wachstum von 95 Prozent. An zweiter Stelle folgten Hoppegarten (rund 86 %) und Ahrensfelde (70,2 %). "Stadtumbau muss weitergehen"Vor dem Hintergrund der Bevölkerungsentwicklung im äußeren Entwicklungsraum des Landes Brandenburg gebe es zum Stadtumbau Ost keine Alternative. Burkardt: "Sonst droht sich die Spirale aus Bevölkerungsabnahme, Leerständen, Verwahrlosung und weiterer Bevölkerungsabnahme hier noch schneller zu drehen. Die Funktionsfähigkeit der Städte ist dann bedroht." Unter dem Dach des BBU sind 365 Wohnungsbaugesellschaften und -genossenschaften der Länder Berlin und Brandenburg vereint. Die BBU-Mitgliedsunternehmen bewirtschaften gut 1,1 Millionen Wohnungen. Das sind über 40 Prozent aller Mietwohnungen in Berlin und fast 50 Prozent der Mietwohnungen im Land Brandenburg.