Die Wohnwünsche älterer Menschen unterscheiden sich nicht wesentlich von denen Jüngerer, die Mehrzahl der Senioren möchte im hohen Alter nicht mehr umziehen, sondern so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben. Dies ist das zentrale Ergebnis des Berichts "Wohnen in Zeiten des längeren Lebens - Bestandsaufnahme und Perspektiven", den Stadtentwicklungssenatorin Junge-Reyer nun vorgelegt hat.
Angesichts des Wunsches, so lange wie möglich selbstständig in einer eigenen Wohnung und in einer vertrauten Nachbarschaft zu wohnen, die im Nahbereich das gewünschte Maß an Kontakten sowie an Umweltqualität, Waren und Dienstleistungen bietet, müsse es in einer zukunftsorientierten Stadtentwicklungspolitik darum gehen, funktionierende Nachbarschaften und Quartiere zu erhalten und zu stärken, in denen unterschiedliche Generationen zusammenleben.Bis 2030 wird sich die Zahl der Berliner, die mindestens 65 Jahre alt sind, von 18 auf rund 24 Prozent erhöhen. Das Durchschnittsalter der Wohnbevölkerung wird voraussichtlich um drei auf 45 Jahre steigen. Der Bericht, der von den Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und für Integration, Arbeit und Soziales erarbeitet und von der Berliner Initiative Wohnen im Alter (BIWIA), in der auch der BBU intensiv mitwirkt, beraten wurde, erörtert deshalb, welche Chancen und Risiken die demografischen Veränderungen in Bezug auf das Wohnen für die Menschen und die Stadt mit sich bringen. Das Thema Wohnen im Alter wurde dabei nicht auf die Merkmale des Wohnraums begrenzt. Vielmehr wurden auch die Wohngebäude, das Wohnumfeld und die wohnungsnahe Infrastruktur als integrale Bestandteile des Wohnens betrachtet. Die Vielfalt in den Lebensentwürfen der Zielgruppen sowie ihre aktiven Selbstgestaltungs- und Mitwirkungsansprüche und -möglichkeiten wurden stärker berücksichtigt.Der Bericht stellt neben einem detaillierten Überblick über Daten und Entwicklungstendenzen den Handlungsbedarf und die Ziele für das Wohnen in Zeiten des längeren Lebens dar und identifiziert die diesbezüglich zentralen Handlungsfelder für die Arbeit des Senats: Erhaltung und Weiterentwicklung eines vielfältigen, qualitativ hochwertigen und quantitativ ausreichenden Angebotes an Wohnungen zur Miete und im Wohneigentum, das im Preis der Nachfrage entspricht Stärkung gemeinschaftlicher Wohnformen weitere Umsetzung von Barrierearmut und Barrierefreiheit von Quartieren, Gebäuden und Wohnungen Erhaltung und Erhöhung von Attraktivität und Qualität der Wohnquartiere durch Aktivitäten zur Aufwertung von öffentlichen Räumen und zur Stärkung sozialer Nachbarschaften, zum Beispiel durch mehr BürgerbeteiligungInsbesondere Mehrgenerationenhäusern gehöre die Zukunft, so Junge-Reyer. "In den nächsten Jahren werden mehr und mehr Menschen in Partnerschaften bis ins hohe Alter zusammenlegen, als Ehepartner, Freunde oder Lebenspartner." Solche Gemeinschaftswohnprojekte wolle Berlin unterstützen, beispielsweise durch Beratungsangebote bei den Wohnungsbaugesellschaften und bei der Netzwerkagentur Wohnen, die mit jährlich rund 400.000 Euro vom Senat unterstützt werde. Vermieter, die entsprechend vielfältige Wohnformen anbieten, sollten günstige Kredite der Investitionsbank Berlin offen stehen. Darüber hinaus sollten landeseigene Grundstücke für entsprechende Projekte vom Liegenschaftsfonds zu Fest- statt zu Höchstpreisen vergeben werden.