Am 11. Januar zeichneten Bundesstadtentwicklungsminister Wolfgang Tiefensee und die Auslober des Wettbewerbes "Soziale Stadt 2006" in Berlin die diesjährigen Gewinner des Wettbewerbes aus. Unter ihnen sind mit der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft und der Genossinnenschaft Schokofabrik eG aus Berlin-Kreuzberg auch zwei Mitgliedsunternehmen des BBU. Des Weiteren wurden Projekte in Cottbus und Guben ausgezeichnet, bei denen BBU-Mitglieder zu den Projektbeteiligten gehören. Der Verband gratuliert ganz herzlich!
"Es geht um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Wir dürfen Armut und Ausgrenzung nicht akzeptieren und die Brücken in die Gesellschaft erst gar nicht abbrechen lassen. Dafür muss die Sozialpolitik stärker vorausschauend ausgerichtet werden. Nur eine Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben innerhalb der Gemeinschaft sichert soziales Engagement, im unmittelbaren Wohnumfeld, für den direkten Nachbarn.Die ausgezeichneten Projekte machen anderen Akteuren Mut und sind Anregung, sich für attraktive Stadtteile und ein soziales Miteinander einzusetzen", sagte Tiefensee bei der Preisverleihung.Das Programm Soziale Stadt ist neben dem Nationalen Integrationsplan, der Schaffung eines sozialen Arbeitsmarktes für Langzeitarbeitslose, dem ESF-Sonderprogramm "Beschäftigung, Bildung und Teilhabe vor Ort" und der Stärkung bürgerschaftlichen Engagements ein wichtiger Baustein der Stadtentwicklungspolitik der Bundesregierung. Insgesamt stehen im Jahr 2007 rund 110 Millionen Euro für das Programm "Soziale Stadt" zur Verfügung.Der zum vierten Mal stattfindende Wettbewerb wurde als Gemeinschaftsinitiative von Wissenschaft, Wohnungswirtschaft, Wohlfahrt und Politik ausgelobt. Mit ihm wird besonderes Engagement für den sozialen Zusammenhalt in Stadtquartieren und Nachbarschaften belobigt. Auslober sind der vhw - Bundesverband für Wohneigentum und Stadtentwicklung, die Arbeiterwohlfahrt, der GdW, die GBH – Gesellschaft für Bauen und Wohnen Hannover, der Deutsche Städtetag und die Schader Stiftung.Aus den rund 190 Beiträgen zum Wettbewerb kamen 66 in die engere Wahl. Die Preise wurden in den Themenfeldern "Junge Menschen und Familien", "Arbeit und Qualifizierung", "Förderung der Integration von Migranten" und "Wohnen im Stadtteil" verliehen. Die Jury wählte 10 Preisträger aus. Zu den ausgezeichneten Projekten gehören Initiativen aus ganz Deutschland, die sich im städtischen Wohn- und Lebensumfeld engagieren. Die inhaltliche Spanne reicht von Theaterprojekten mit Jugendlichen in Essen über Einstiegsprojekte in die Berufsausbildung in Guben und einen Integrationsdialog in Leipzig bis zu Brückenangeboten für Obdachlose in Berlin für die Rückkehr in ein normales Leben.PREIS: HOWOGE WOHNUNGSBAUGESELLSCHAFT MBH, BERLINZu den zehn Preisträgern des Wettbewerbes zählt mit der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH auch eines der großen landeseigenen Wohnungsunternehmen Berlins. Die Gesellschaft engagiert sich seit vielen Jahren für ihre Mieter, die vorwiegend im Berliner Bezirk Lichtenberg wohnen. Davon zeugen zwei Projekte, die im Rahmen des Preises "Soziale Stadt 2006" ausgezeichnet wurden (Auszug aus der Wettbewerbsdokumentation):Wohnprojekt UNDINE und Soziokulturelles Zentrum Alt-Lichtenberg:Das starke Anwachsen der Arbeitslosigkeit nach 1989, Mieterhöhungen, die vielfältigen sozialen Umbrüche und deren Folgen führten zu der Überlegung, neue Angebote zu schaffen, um die von Wohnungs- und Obdachlosigkeit betroffenen Menschen nicht einfach in einem Obdachlosenheim unterzubringen. Vor zehn Jahren überließ die HOWOGE dem SOZIALWERK des Demokratischen Frauenbundes auf Grundlage eines 10jährigen Nutzungsvertrages ein nicht mehr bewohnbares Gebäude zu einem geringen Nutzungsentgelt. In dreijähriger Bauzeit wurde das Gebäude vom SOZIALWERK in ehrenamtlicher Arbeit und über Projekte des zweiten Arbeitsmarktes zum ‘Wohnprojekt UNDINE’ mit 40 Einraumwohnungen umgebaut und modernisiert.Die Einzigartigkeit von ‘UNDINE’ besteht darin, dass das Haus keine der üblichen Obdachlosenpensionen ist. Hier hat jeder Bewohner eine eigene kleine Wohnung (ca. 22 m2) mit Küche und Dusche/WC. Die Bewohner leben nicht isoliert, sondern sind in das Leben im Kiez integriert. Hier erhalten sie Beratung, Betreuung und Hilfe zur Selbsthilfe unter anderem bei der Haushaltsführung und Tagesstrukturierung, der Neuordnung ihrer materiellen und finanziellen Situation, bei der Integration in das Erwerbsleben oder in eine Ausbildung und bei sozialen und rechtlichen Angelegenheiten und im Umgang mit Ämtern und Behörden.Der Kieztreff im Erdgeschoss des Hauses – das heutige ‘Sozio-kulturelle Zentrum Alt Lichtenberg’ – ermöglicht vielfältige Veranstaltungen und Freizeitangebote. Es werden soziale Dienstleistungen wie Wäscherei, Näh- und Bügelstube, eine Selbsthilfewerkstatt für handwerkliche Arbeiten, ein Club-Keller mit verschiedenen Sportgeräten, eine Hausbibliothek u.a. angeboten, die auch den Anwohnern offen stehen.Projekt Lichtenberger Hilfe für Menschen e.V.Seit 2004 unterstützt der Verein bedürftige Familien, Rentner und Singles mit Lebensmittel- und Kleiderspenden. Gegründet wurde er von Arbeitslosenhilfe-Empfängern, die selbst aktiv werden wollten. Sie sammelten Lebensmittel und verteilten sie von ihren Wohnungen aus an Bedürftige. Als der Geschäftsführer der HOWOGE von diesen Aktivitäten erfuhr, stellte er dem Verein seit April 2006 in einem Hochhaus mietfrei Räume zur Verfügung. Die HOWOGE baute die Räume behindertenfreundlich für ca. 29.000 Euro um. Es können auch kostenlos Parkplätze genutzt werden.Inzwischen arbeiten über 60 Leute für den Verein, die Hälfte davon ehrenamtlich, die anderen über Ein-Euro-Jobs. Im Jahr 2005 versorgte der Verein mehr als 1.000 bedürftige Familien. Wöchentlich werden fünf soziale Einrichtungen mit Lebensmitteln und Kleiderspenden versorgt. Mittlerweile ist in den Räumlichkeiten eine Stätte der Kommunikation entstanden. Eine Spiel- und Computerecke mit familienfreundlicher Atmosphäre sorgt dafür, dass die Menschen sich nicht wie Bettler fühlen.Aus der Laudatio der JuryGewürdigt wird das Engagement der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft gemeinsam mit dem Sozialwerk des Demokratischen Frauenbundes, ein Wohnhaus innerhalb eines gewachsenen Stadtteils so umzubauen, dass selbstbestimmtes Wohnen für von Obdach- oder Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen möglich ist. Mit dem Zur-Verfügung-Stellen von Räumen für eine Begegnungsstätte im Erdgeschoss hat das Unternehmen der Erfahrung Rechnung getragen, dass diese Wohnform besondere Unterstützung und Betreuung braucht – für die Betroffenen selbst genauso wie für ihre Akzeptanz in der Nachbarschaft.Sichtbarstes Zeichen der erfolgreichen Kooperation zwischen Bürgern und Wohnungseigentümerin ist aus Sicht der Jury die Selbstinitiative der Bewohner, wie sie in der erfolgreichen Organisation eines Netzwerks für den Verkauf und Vertrieb preiswerter Waren durch den Verein "Lichtenberger Hilfe für Menschen" zum Ausdruck kommt.ANERKENNUNG: GENOSSINNENSCHAFT SCHOKOFABRIK EG, BERLINDen multikulturellen Stadtteil Berlin Kreuzberg kennzeichnet eine kleinräumige Mischung von Arbeiten und Wohnen. Hier wohnen viele junge Familien unter der Armutsgrenze, vor allem unter dem hohen Anteil von Migranten. Anfang der 1980er Jahre übernahm eine Initiativgruppe von Frauen das leer stehende Gebäude einer ehemaligen Schokoladenfabrik und richtete dort ein Frauenstadtteilzentrum ein. In Eigeninitiative und mit finanzieller Unterstützung des Berliner Senats konnten in den folgenden Jahren die Gebäude vollständig saniert werden. Nach der Entlassung aus dem Sanierungsgebiet im Jahr 2003 gründeten die Initiatorinnen und Betreiberinnen die ‘Genossinnenschaft Schokoladenfabrik e.G.’ zum Erwerb der bis dato gemieteten Gebäude. Innerhalb eines halben Jahres konnten über 70 Genossinnen angeworben werden. Mit Hilfe der Finanzgesellschaft "Das Finanzkontor" nahmen die Frauen ein Darlehen auf und kauften im Dezember 2004 die "Schoko"-Gebäude für ca. 960.000 Euro von der Wohnungsbaugesellschaft GSW. Auch die 14 Wohnungen zweier angrenzender Häuser wurden erworben. Seit Januar 2005 ist das Frauenzentrum Mieterin der Genossinnenschaft und finanziell abgesichert.Was ursprünglich mit einem ungesicherten Besetzerinnenstatus begonnen hatte, befindet sich heute fest in Frauenhänden. Als Frauenstadtteilzentrum geplant, hat sich die "Schoko" zum größten Frauenzentrums Europas entwickelt. Auf 1200 Quadratmetern Fläche wird über mehrere Etagen verteilt ein breit gefächertes Spektrum aus Beratung, Bildung, Kultur, Gesundheit und Sport für Frauen geboten. Die Bereiche sind unter anderem ‘Der Treffpunkt’ für Frauen und Mädchen aus der Türkei, "Schoko"-Sport, eine Möbelwerkstatt, ein Frauencafe sowie der Kinder- und Schülerladen ‘Schokoschnute’ mit 23 Plätzen. Die für Frauen und Mädchen wichtige Anlaufstelle, soll weiter ausgebaut werden. Die jetzt bereits bestehende Mischform aus Zweckbetrieben und sozialen Angeboten macht die "Schoko" stabiler als andere vergleichbare Projekte. Mittlerweile nutzen rund 1000 Frauen wöchentlich die Einrichtung. Der Kauf der Schokofabrik bedeutet eine Investition in ein Projekt, das aus Kreuzberg nicht mehr wegzudenken ist.Aus der Laudatio der JurySeit einem Vierteljahrhundert wird die Schokofabrik als Frauenzentrum genutzt – und als die Finanzierung des Zentrums und damit sein Fortbestand im Jahr 2003 ungewiss war, haben die Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand genommen und eine Genossinnenschaft gegründet. Dieses besondere Engagement möchte die Jury würdigen. Die Kontinuität in der Nutzung der Schokofabrik hat zu einer sehr breiten Angebotspalette geführt, die außergewöhnlich und damit ein Gewinn weit über das Quartier hinaus ist.Auch das Projekt "Sozialer Stadtumbau - Imagewandel der Großsiedlung Sachsendorf-Madlow in Cottbus" wurde mit einem Preis ausgezeichnet. An dem vom Baudezernat der Stadt Cottbus eingereichten Projekt waren neben vielen anderen Akteuren auch die Gebäudewirtschaft Cottbus GmbH und die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft "Stadt Cottbus" e.G. beteiligt. Die Großsiedlung Sachsendorf – Madlow ist das größte Stadtumbau-Gebiet Brandenburgs und hat seit 1993 mehr als die Hälfte seiner Einwohner eingebüßt. Seit dem Jahr 2000 werden der flächenhafte Abriss und die gezielten Aufwertungsmaßnahmen im Rahmen des Stadtumbaus modellhaft mit Initiativen der "Sozialen Stadt" verknüpft. Um schnell wirksame Zeichen der Erneuerung zu setzen, konzentrieren Stadt und Wohnungsunternehmen ihre Kräfte auf einzelne Startprojekte, wie beispielsweise die Errichtung von Stadtvillen aus den demontierten Platten eines Wohnhochhauses, den Umbau einer leer stehenden Kita zu einem Nachbarschaftstreff oder die Umnutzung eines Kasernengeländes als Campus der FH Lausitz. Die Gesamtheit der vielfältigen Maßnahmen verschiedenster Träge konnte in überschaubarer Zeit einen Imagewandel und eine nachhaltig positive Entwicklung für den bevölkerungsreichsten und hinsichtlich seiner sozialen Perspektive gefährdeten Cottbusser Stadtteil einleiten.Die Wettbewerbsdokumentation mit ausführlichen Darstellungen aller Teilnehmer- und Preisträgerprojekte kann im Internet beim vhw Bundesverband für Wohneigentum und Stadtentwicklung unter www.vhw-online.de/aktuell/index.php kostenlos als PDF-Dokument abgerufen werden.