"AUF NACH AMERIKA"

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Ein Kommentar zur Entwicklung der gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Deutschland. Die Überschrift ist keine Aufforderung, sich auf den Weg nach Amerika zu machen, um den Urlaub dort zu verbringen -  weil doch der Kurs Euro zu Dollar gerade so günstig ist. Reiseziele sind unser aller Vorliebe überlassen. Die Überschrift soll vielmehr andeuten, dass wir uns auf dem Weg nach Amerika befinden, was die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse betrifft.Nur drei Zeitungsmeldungen aus einer Woche machen dies deutlich: Märkische Oderzeitung vom 18.04.2008Kinderarmut in Deutschland nimmt zu: Die Zahl der Kinder unter 15 Jahren, die von Hartz IV leben mussten, stieg nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit von 1.886.459 im Jahresdurchschnitt 2006 auf 1.894.552 im vergangenen Jahr. Der Anstieg sei nach Berechnung des Bremer Instituts für Arbeit, Marktforschung und Jugendberufshilfe in Ostdeutschland mit einem Plus von 1,3 Prozent stärker als in Westdeutschland mit einem Plus von 0,1 Prozent. Demnach habe es im Jahresdurchschnitt den größten Anstieg der Kinderarmut in Berlin mit plus 2,7 Prozent und in Brandenburg mit plus 2,5 Prozent gegeben. Märkische Oderzeitung vom 19.04.2008Jede vierte Familie ist arm: 26 Prozent aller Familien in Deutschland fallen unter die Armutsgrenze. Ingesamt hätten 18 Prozent der Deutschen weniger als 50 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verfügung – also fast jeder Fünfte. Märkische Oderzeitung vom 20.04.2008Zahl der Beschäftigten im Niedriglohnsektor nimmt deutlich zu: "Jeder fünfte Beschäftigte arbeite inzwischen für ein Entgelt unter der Niedriglohnschwelle", zitiert die Zeitung eine Studie des Instituts für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg/Essen. Insgesamt seien in Deutschland rund 6,5 Millionen Menschen im Niedriglohnsektor tätig. Damit sei ihr Anteil an den Beschäftigten fast so hoch wie in den USA, wo er bei rund 25 Prozent liege. Im Vergleich zu Dänemark, Frankreich und Niederlande habe Deutschland inzwischen den höchsten Niedriglohnanteil. Während der Anteil der Niedriglohnbeschäftigten in Westdeutschland 19,1 Prozent umfasse, betrage er in Ostdeutschland 41,1 Prozent.Was haben wir als Branche damit zu tun?Nun: Diese Menschen leben zu einem nicht unerheblichen Teil zunächst einmal in unseren Wohnungen. Wenn wir dann nicht dem Fehler verfallen, all diese verschiedenen Informationen - und hier wurden nur einige wenige Beispiele angeführt - nicht in eine Schublade zu packen, sondern alle Schubladen einmal aufziehen; und wenn wir berücksichtigen, wie sich das Rentenniveau in den nächsten Jahren und Jahrzehnten entwickeln wird; und wenn wir uns vergegenwärtigen, wie sich die Hartz IV-Regelungen auf die Menschen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten auswirken werden; wenn wir uns vor Augen führen, wie sich die Preise von Energie und Rohstoffen entwickeln, und wie sich das auf die Betriebskosten auswirkt; und wenn wir dann noch die möglichen Kosten aus dem Klimaschutzpaket der Bundesregierung hinzuzählen; dann wird deutlich: hier ballt sich etwas zusammen.Ob diese dicke Luft nur Luft bleibt, oder ob und wann sich daraus ein Gewitter oder Sturm entwickelt, kann natürlich niemand voraussagen. Festzuhalten bleibt aber: Diese Trends und Entwicklungen werden sich nicht binnen weniger Monate oder in ein, zwei oder drei Jahren verflüchtigen. Das wiederum bedeutet, dass wir es mit einer zunehmenden Verteilungskonkurrenz zwischen den Bedürfnissen Wohnen, Essen und Trinken, Kultur, Freizeit und Bildung zu tun haben werden. Diese Konfliktlage wird zu veränderten Anforderungen an unsere Bestände, an unsere Strategien, an das Organisieren von funktionierenden Nachbarschaften in unseren Kiezen führen.Ob sich schrittweise die Rahmenbedingungen verändern und sich die oben genannten Zeitungsmeldungen damit ins Gegenteil verkehren werden, wissen wir nicht.Was wir mit Sicherheit wissen, ist: Es gibt viel zu tun für uns. Packen wir es also an.