Die Website aufgutenachbarschaft.de machte dabei deutlich: Nachbarschaft und genossenschaftliches Denken stehen bei Marzahner Tor im Vordergrund. Und weil sich die Wohnungsgenossenschaft nicht nur auf das reine Vermietungsmanagement beschränken wollte, integrierte man in den Bewerbungsprozess ganz bewusst eine Barriere. Die Besucher der Website sollten Ideen für ein nachbarschaftliches Miteinander formulieren und sich damit bewerben.
Je kreativer und genossenschaftlicher die Vorschläge, desto höher auch die Erfolgsaussichten auf eine der Wohnungen. So wurde das Motto der Kampagne war bereits früh für die künftigen Genossenschaftler Programm: für Menschen, die Genossenschaft leben wollen und sich gern als Nachbar engagieren. Die Kampagne fand im Herbst 2017 ihren Abschluss.
Mit dem Ergebnis ist Marzahner Tor mehr als zufrieden – nicht nur, weil das ambitionierte Bauprojekt drei Monate früher fertig gestellt werden konnte. Stolz ist man vor allem darauf, dass der Grundgedanke des nachbarschaftlichen Zusammenlebens auf so viel positive Resonanz stieß – sogar deutschlandweit.
Eine Besonderheit der Kampagne: Statt stereotype Marzahn-Vorurteile zu bedienen, wollte man bestehende Ressentiments abbauen. Authentizität stand im Vordergrund. So waren die abgelichteten Personen keine professionellen Models, sondern tatsächlich Nachbarn oder Mitarbeiter der Genossenschaft. Menschen, die sich mit den bekannten Vorurteilen über den Bezirk auskennen.
Mit Erfolg: Bereits im Juli 2017 bezogen die ersten Neumieter ihre neuen Wohnungen – in dem Bewusstsein, dass Marzahn anders ist, als die meisten denken. Denn das Modell der Genossenschaften ist alles andere als antiquiert oder angestaubt. Vielmehr stehen sie für Tradition und Werte, die in der Gesellschaft wichtiger denn je werden. Insgesamt sind über 900 Bewerbungen für die 62 Wohnungen eingegangen.
Ein Neumieter in der über 4.700 Mitglieder starken Genossenschaftsfamilie ist Norman Markowski. Er ist mit Ehefrau und Kind aus Hellersdorf nach Marzahn gezogen: „Im Bewerbungsprozess sollten wir beschreiben, was genossenschaftliches Wohnen für uns ausmacht und wie eine gute Nachbarschaft für uns aussieht. Diese Fragen waren natürlich erst einmal überraschend – andererseits wurde uns dadurch schnell klar, dass hier auf die gleichen Dinge Wert gelegt wird, die auch uns wichtig sind. Ein genossenschaftliches Miteinander bedeutet für mich und meine Familie vor allem Sicherheit, lebendige Nachbarschaft und dass man sich einbringt. Genau diese Voraussetzungen und Möglichkeiten haben wir hier vorgefunden“.
Auch der Rentner Gerald Wipprecht ist glücklich: „Meine Frau und ich kommen aus Lichtenberg bzw. Karlshorst. Wir haben uns bewusst für Marzahn und Marzahner Tor entschieden. Wir wollten gern in einer Genossenschaft wohnen, weil wir Wert legen auf ein freundliches Miteinander und es wichtig ist, sich gegenseitig zu helfen und füreinander da zu sein. Wir fühlen uns hier von Anfang an wohl und herzlich aufgenommen.“
Dass Eigeninitiative und Engagement bei Marzahner Tor gern gesehen ist, überzeugte auch Anja Brendel: „Wir sind eine kleine Familie und kommen aus Neukölln. Schon in der Rollbergsiedlung haben wir uns für eine gute, nachbarschaftliche Gemeinschaft eingebracht – nicht zuletzt durch unsere Mitwirkung im dortigen Mieterbeirat oder dem Quartiersrat. Auf der Suche nach Möglichkeiten, uns für ein gutes Miteinander an unserem neuen Wohnort zu engagieren, sind wir auf Marzahner Tor gestoßen. Uns gefiel die Idee, dass hier das nachbarschaftliche Miteinander wieder mehr in den Fokus gestellt wird.“
„Die Einsendungen kreativer Ideen für nachbarschaftliches und genossenschaftliches Zusammenleben waren immens und zeigen, wie wichtig den Menschen eine intakte und lebendige Nachbarschaft ist“, fasst Vorstandsmitglied Uwe Heß zusammen. Und sein Kollege Uwe Wachsmann ergänz: „Wer jetzt noch Interesse an guter Nachbarschaft und einer der letzten freien Wohnungen hat, sollte daher schnell sein und seine Bewerbung möglichst rasch unter www.aufgutenachbarschaft.de abgeben.“
Fotos: Marzahner Tor eG
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