"Açıl, susam, açıl!" – "Sesam, öffne dich!": Im Rahmen des generationenübergreifenden Kulturprojekts "Abenteuer Oper!" haben 24 Viertklässler der Askanier-Grundschule und acht Bewohner des GEWOBAG-Seniorenwohnhauses in der Freudstraße in Spandau eine unvergessliche musikalische Reise in den Orient erlebt. Im Schulworkshop unter der musiktheaterpädagogischen Leitung der Komischen Oper Berlin wurden an fünf Schultagen ausgewählte Szenen der Kinderoper "Ali Baba und die 40 Räuber" des in Berlin lebenden türkischkurdischen Komponisten Taner Akyol einstudiert. Rund 100 Zuschauer, darunter die Schulleitung, Eltern, Mitschüler und Besucher waren von der abschließenden Aufführung begeistert.
Besonderes Highlight war der generationsübergreifende Projektansatz: In der Probephase begleiteten Senioren die Grundschüler und wirkten aktiv mit, zum Beispiel beim selbstständigen Turbanbinden und beim Einstudieren der Schritte für den Festtanz. Abschließend wurden die Senioren sogar in die Aufführung eingebunden: Als Käufer handelten sie erst tüchtig auf dem Basar und wurden dann von Räubern gleich wieder um ihr Gut "erleichtert". Frau Issa aus dem GEWOBAG-Seniorenwohnhaus ist des Lobes voll: "Die Pädagogen der Komischen Oper haben genau den richtigen Zugang, um die Kinder zu fesseln. Einfach toll, wie sie ihre unterschiedlichen Nationalitäten einbringen konnten und was die Kinder in den wenigen Tagen gelernt haben – auch musikalisch. Sie können wirklich stolz auf sich sein."GEWOBAG-Vorstand Markus Terboven und Mitglied des Kuratoriums der 2013 gegründeten Stiftung Berliner Leben freut sich über den erweiterten Projektansatz: "Das Kulturprojekt "Abenteuer Oper!" der GEWOBAG entwickelt sich auch nach fünf erfolgreichen Jahren immer weiter und bringt nun Kinder und Senioren zusammen. Das entspricht unserer Stiftungsidee: Die Stiftung Berliner Leben fördert langfristig und setzt sich für ein Miteinander der Nationen und Generationen ein. Schüler in GEWOBAG-Quartieren entwickeln in Projekten mit renommierten Kulturinstitutionen wie der Komischen Oper die notwendigen Kompetenzen, um zu begreifen, was Kultur unmittelbar mit ihrer eigenen Lebenswelt zu tun hat."Das Projekt lebt von der kulturellen Vielfalt oder Shirin rettet das ganze DorfDie Klasse 4a der Spandauer Askanier-Grundschule ist ein gutes Beispiel für das multikulturelle Berlin: Die Familien der Schüler haben indonesischen, russischen, türkischen, mazedonischen, rumänischen, polnischen und libanesischen Hintergrund. Shirins Großvater stammt aus Persien – und im Stück darf sie imzweiten Teil die kluge Shirin spielen: "Ich kannte das Stück auch schon, nur ein bisschen anders". Die Rollen tauschen, das ist Programm: Im ersten Teil verstärkt Shirin die Musikgruppe am Xylophon. Da spielt Mitschülerin Valerie die Rolle der Shirin: "Eine Sprechrolle ist komisch. Wenn man was falsch macht, ist das peinlich. Aber die Rolle ist super: Die Shirin hat schließlich das ganze Dorf gerettet." Mit viel Spaß, musischer Begabung, Konzentration und wachsendem Selbstbewusstsein setzen die beiden Shirins und ihre Klassenkameraden die Workshop-Inhalte um.Anne-Kathrin Ostrop, Musiktheaterpädagogin der Komischen Oper Berlin, hat das Konzept entwickelt und setzt es seit vielen Jahren mit Herzblut um: "In den Workshops erleben die Schüler, dass Kunst und Kultur auch mit ihnen selbst zu tun haben. Wir haben kein vorgefertigtes Stück, sondern weben die Lebenserfahrungen der Kinder mit ein. Wenn Ali Babas Bruder erschlagen und im Dorf beklagt wird, reden wir über Trauerriten aus aller Welt. Oder wir erleben Vielfalt anhand von Sprache: Das "susam" aus "Açıl, susam, açıl!" wird von Schülern durch viele Gemüse- und Obstsorten in unterschiedlichen Sprachen ersetzt und dabei ergeben sich überraschende Übereinstimmungen in den Sprachwurzeln."Gerade Schüler mit türkischem oder arabischem Hintergrund bringen sich ganz selbstverständlich bei den arabisch klingenden Melodien und orientalischen Tänzen ein. Ein Problem allerdings haben die gut erzogenen Spandauer Schüler gemeinsam: Es fällt allen schwer, sich das "Danke" abzugewöhnen, wann man von einem anderen bedient wird. Immer wieder rutscht es über die Lippen: Aber die Kinder lernen im Workshop neben vielem anderen, dass im Umgang mit Sklaven wie Shirin zu Zeiten Ali Babas Höflichkeit nicht üblich war.Stiftung "Berliner Leben": Kulturförderung in strukturschwachen StadtteilenBereits seit 2009 begeistern die GEWOBAG und die Komische Oper Berlin mit ihrem Projekt "Abenteuer Oper!" Schülerinnen und Schüler aus Grundschulen und der Oberstufe für das Gesamtkunstwerk Oper. Rund 300 Schüler haben seit dem Projektstart hinter die Opernkulissen geschaut, Bühnenstücke spielerisch selbst erarbeitet und aufgeführt. Die ausgewählte Askanier-Grundschule liegt in einem der GEWOBAG-Quartiere im Bezirk Spandau, wo die GEWOBAG rund 12.000 Wohnungen bewirtschaftet. Ein zweiter Jahrgang von Schülern der 4. Klasse nimmt am Projekt "Abenteuer Oper!" mit seinen vielfältigen Bildungs- und Entwicklungsimpulsen teil und wird zum Projektabschluss am 2. April gemeinsam mit Lehrern, Eltern und Senioren eine Opernaufführung der Kinderoper "Ali Baba und die 40 Räuber" in der Komischen Oper Berlin besuchen.
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