Was bereits Mitte Oktober 2009 die öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten bekannt gegeben haben, kommuniziert jetzt auch die Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM): Die analoge TV-Übertragung per Satellit soll bis spätestens 30. April 2012 eingestellt werden. Damit würden ab diesem Zeitpunkt TV-Signale nur noch digital im SD- (Standard Digital) und HD-Verfahren (hochauflösendes Signal – HDTV) gesendet.
Gemäß des jüngsten Digitalisierungsberichts empfangen bereits über 70 Prozent der Satellitenhaushalte ihr Programm digital, heißt es in der Mitteilung der ALM. Ein konkretes Abschaltdatum schaffe Klarheit für alle Beteiligten, kommentierte Thomas Langheinrich, Vorsitzender der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) den Vorschlag der Landesmedienanstalten. Kabelnetzbetreiber, die ihre Signale primär über Satellit empfangen, und individuelle SAT-Kunden hätten nun zwei Jahre Zeit, die analoge Technik durch digitale auszutauschen, sagte ZDF-Justiziar Carl-Eugen Eberle. Für die TV-Übertragung im Kabel gibt es aus Mietersicht zunächst keine Auswirkungen. Viele Kabelnetzbetreiber haben schon jetzt angekündigt, auf Wunsch der Wohnungsunternehmen und ihrer Mieter auch über den genannten Termin hinaus die analoge TV-Verbreitung beizubehalten. Allerdings müssten dazu künftig noch mehr Programme als heute "reanalogisiert" werden. Damit wird die Umsetzung eines digitalen Signals in ein analoges Signal beschrieben. Vorteil: Der Komfort des analogen TV-Empfangs mit jedem Gerät an jeder Steckdose bleibt erhalten. Nachteil: Die Reanalogisierung verursacht zusätzliche Kosten und schafft im Kabel keine zusätzliche Kapazitäten – beispielsweise für das hochauflösende Fernsehen (HDTV). Fest steht jedoch, dass das Analog-TV langfristig auch im Kabel ein Auslaufmodell darstellt. Zudem dürfte die analoge Abschaltung beim Satelliten den Druck auf eine ausschließlich digitale Verbreitung im Kabel erhöhen.So hat auch der Verband der Privaten Rundfunk und Telemedien (VPRT) die Entscheidung der Landesmedienanstalten, die Programme der öffentlich-rechtlichen Sender ab Mai 2012 über Satellit nur noch digital auszustrahlen, begrüßt. In einem dazu vorgelegten, sechs Punkte umfassenden Analog-Digital-Fahrplan will sich der VPRT für eine maßgebliche Beschleunigung der Digitalisierung sowie ein konkret definiertes Gesamtkonzept für den Analog-Digital-Umstieg einsetzen, das neben dem Übertragungsweg Satellit auch das Kabel berücksichtigt. Demnach sollen auch die im VPRT organisierten Sender bis spätestens Ende 2012 die analoge Satellitenübertragung beenden. Auch ein früherer Ausstieg sei möglich. Der VPRT fordert die Politik ferner auf, den festen Abschaltzeitpunkt moderierend und gestaltend zu begleiten. Ebenfalls von der Politik erhofft sich der VPRT bis spätestens Ende 2010 ein diskriminierungsfreies Migrationskonzept inklusive eines festen Abschaltdatums auch für das Kabelfernsehen.Allerdings ist die Stellungnahme des VPRT sehr kritisch zu bewerten. Tatsächlich geht es dem Verband um viel mehr als um den technischen Wechsel von der analogen auf eine digitale Übertragung. Das insbesondere von den beiden großen Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 geforderte, sogenannte diskriminierungsfreie Migrationskonzept zielt darauf ab, dass private TV-Programme einschließlich der heutigen Free-TV-Angebote nur noch verschlüsselt im Kabel übertragen werden dürfen und zusätzliche Einnahmen für die Sender ermöglichen soll. Die vom VPRT für die Ausstattung der Haushalte geforderten zukunftsfähigen und adressierbaren Endgeräte dienen allein dem Zweck, den Empfang verschlüsselter Programme zu gewährleisten. Die Politik soll durch einen "harten Umstieg", also eine verbindliche Vorgabe für die Abschaltung der analogen Verbreitung auch im Kabel, diesen Geschäftsmodellwechsel unterstützen. Dem gegenüber stehen die Position der wohnungswirtschaftlichen Verbände und vieler Verbrauchervereinigungen, den Wechsel auf die digitale Übertragung kundenfreundlich zu gestalten. Dazu gehört u.a., neben Pay-TV-Angeboten ein attraktives unverschlüsseltes, digitales Angebot im Kabel zu gewährleisten und Verbraucher nicht durch höhere Kosten vom digitalen Empfang abzuschrecken. Aus wohnungswirtschaftlicher Sicht ist daher die mit der Verschlüsselung verbundene Möglichkeit, Zusatzgebühren auch für solche Programme zu erheben, die bisher vom monatlichen Kabelentgelt abgedeckt sind, ein entscheidendes und nicht zu rechtfertigendes Hemmnis für eine ausschließlich digitale TV-Verbreitung im Kabel. Wie Diskussionen in jüngster Zeit zeigen, hat sich diese Erkenntnis in der Politik bisher noch nicht durchgesetzt.Nachfolgend wird der Analog‐Digital‐Fahrplan des VPRT im Wortlaut dokumentiert:"Analog-Digital-Fahrplan des Fachbereiches Fernsehen und Multimedia im VPRT (Dezember 2009)Die Mitglieder des Fachbereichs Fernsehen und Multimedia im Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) e.V. haben bereits 2007 ihre Grundanforderungen für eine erfolgreiche Digitalisierung der Fernsehübertragungswege formuliert. Der VPRT setzt sich für eine maßgebliche Beschleunigung der Digitalisierung sowie ein konkret definiertes Gesamtkonzept für den Analog-Digital-Umstieg ein, das die Übertragungswege Satellit und Kabel berücksichtigt. Der nachfolgende Fahrplan berücksichtigt die Entwicklungen der letzten beiden Jahre und konzentriert sich auf die wesentlichen Kernpunkte:1. Der VPRT unterstützt die Digitalisierung der Übertragungswege mit Nachdruck. Ein Simulcast analoger und digitaler Programme ist für die betroffenen Unternehmen dauerhaft nicht zu finanzieren. Für die ausschließlich digitalen Programme ist die Steigerung der digitalen Nutzung in den Haushalten unerlässlich. Für alle Sender und die Verbraucher ist die Ausstattung der Haushalte mit zukunftsfähigen und adressierbaren Endgeräten wichtig, um das digitale Angebot in seiner Vielfalt entwickeln und nutzen zu können. Insgesamt müssen für private Veranstalter die Voraussetzungen geschaffen werden, neue Geschäftsmodelle entwickeln und realisieren zu können.2. Eine Analog-Abschaltung des Satelliten zu einem festgelegten Zeitpunkt ist zu begrüßen. Dies schafft Planungssicherheit für Zuschauer, Endgeräteindustrie und Sender. Der VPRT unterstützt eine Abschaltung bis spätestens Ende April 2012. Ein früherer Ausstieg der Sender ist möglich. Die Politik wird gebeten, einen festen Abschaltzeitpunkt der analogen Satellitenverbreitung moderierend und gestaltend zu begleiten.3. Mit dem Ziel einer schnellen Digitalisierung sollte die Politik dabei festlegen, dass bis spätestens Ende 2010 auch für das Kabel ein verbindliches und diskriminierungsfreies Migrationskonzept inklusive eines abgestimmten Umstiegsdatums aufzustellen ist. Das Konzept soll für das Kabel einen harten, ggf. auch inselweiten, Umstieg vorsehen.4. Mit der Digitalisierung des Satelliten einhergehende Konsequenzen für das analoge Kabel sind einheitlich und diskriminierungsfrei für alle betroffenen Sender zu gestalten und auszugleichen. Weitere analoge Abschmelzungen im Kabel zulasten der privaten TV-Veranstalter dürfen bis zur Erstellung und Umsetzung des abgestimmten Migrationskonzeptes nicht erfolgen.5. Beim Umstieg sind auch die TV-Sender am Nutzen der digitalen Dividende zu beteiligen, indem u.a. die Kostenreduktionen durch die Nutzung geringerer Bandbreite im Digitalen den Sendern zugutekommen. Der Wert der Inhalte ist den Sendern angemessen zu vergüten. Eine Übertragung der analogen Preisstrukturen wird abgelehnt.6. Das Umstiegskonzept muss eine chancengerechte und diskriminierungsfreie Auffindbarkeit der TV-Sender auf allen Übertragungswegen, Endgeräten und Benutzeroberflächen gewährleisten (siehe dazu Vorschläge von ARD,VPRT und ZDF zu Navigatoren und elektronischen Programmführern). Der Bedeutung des Rundfunks für die Meinungs- und Informationsfreiheit ist dabei auch auf hybriden Endgeräten Rechnung zu tragen.Berlin, Dezember 2009" (Zitat Ende)